Liederzyklus
Vertonung: Hugo Wolf
Text: Paul Heyse ...
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19. Trau nicht der Liebe


Trau nicht der Liebe, mein Liebster, gib Acht!
Sie macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.
Und siehst du nicht schwinden des Mondes Gestalt?
Das Glück hat nicht minder nur wankenden Halt.
Dann rächt es sich bald; und Liebe, gieb Acht!
Sie macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.

Drum hüte dich fein vor thörigem Stolze!
Wohl singen im Mai'n die Grillchen im Holze;
dann schlafen sie ein, und Liebe, gieb Acht!
sie macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.

Wo schweifst du nur hin? Laß Rath dir ertheilen:
Das Kind mit den Pfeilen hat Possen im Sinn.
Die Tage, die eilen und Liebe, gieb Acht!
Sie macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.

Nicht immer ist's helle, nicht immer ist's dunkel,
der Fremde Gefunkel erbleicht so schnelle.
Ein falscher Geselle ist Amor, gieb Acht!
Er macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.