Liederzyklus
Vertonung:
Text: ...
Werkverzeichnis: WoO.118 r. 1
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Seufzer eines Ungeliebten und Gegenliebe


Hast du nicht Liebe zugemeßen Dem Leben jeder Kreatur? Warum bin ich allein vergeßen, Auch meine Mutter du! du Natur? Wo lebte wohl in Forst und Hürde, Und wo in Luft und Meer, ein Tier, Das nimmermehr geliebet würde? Geliebt wird alles, wird alles außer mir, ja alles außer mir! Wenngleich im Hain, auf Flur und Matten Sich Baum und Staude, Moos und Kraut Durch Liebe und Gegenliebe gatten; Vermählt sich mir doch keine Braut. Mir wächst vom süßesten der Triebe Nie Honigfrucht zur Lust heran. Denn ach! Mir mangelt Gegenliebe, Die Eine, nur Eine gewähren kann. Wüßt ich, daß du mich lieb und wert Ein bißchen hieltest, Und von dem, was ich für dich, Nur ein Hundertteilchen fühltest; Daß dein Dank hübsch meinem Gruß Halben Wegs entgegenkäme, Und dein Mund den Wechselkuß Gerne gäb und wieder nähme: Dann, o Himmel, außer sich, Würde ganz mein Herz zerlodern! Leib und Leben könnt ich Dich nicht vergebens laßen fodern! Gegengunst erhöhet Gunst, Liebe nähret Gegenliebe, Und entflammt zur Feuersbrunst, Was ein Aschenfünkchen bliebe.