Liederzyklus

1. Harald


Vor seinem Heergefolge ritt der kühne Held Harald;
Sie zogen in des Mondes Schein durch einen wilden Wald.
Sie tragen manch' erkämpfte `Fahn', die hoch im Winde wallt,
Sie singen manches Siegeslied, das durch die Berge hallt.

Was rauschet, lauschet im Gebüsch? Was wiegt sich auf dem Baum?
Was senket aus den Wolken sich? Was taucht aus Meeresschaum?
Was wirft mit Blumen um und um? Was singt so wonniglich?
Was tanzet durch der Krieger Reih'n? schwingt auf die Roß sich?

Was kos't so sanft und küßt so süß und hält so lind umfaßt?
Und nimmt das Schwert, und zieht vom Roß, und läßt nicht Ruh noch Rast?
Es ist der Elfen leichte Schar; hier hilft kein Widerstand.
Schon sind die Krieger all' dahin, sind all' im Feeenland.

Nur er, der Beste, blieb zurück, der kühne Held Harald;
Er ist vom Wirbel bis zur Sohl' in harten Stahl geschnallt.
All' seine Krieger sint entrückt, da liegen Schwert und Schilde;
Die Roße, ledig ihrer Herrn, sie gehn im Walde wild.

In großer Trauer ritt von dann der stolze Held Harald;
Er ritt allein im Mondenschein wohl durch den weiten Wald.
Vom Felsen rauscht es frisch und klar; er springt vom Roße schnell,
Er schnallt vom Haupte sich den Helm und trinkt vom kühlen Quell.

Doch wie er kaum den Durst gestillt, versagt ihm Arm und Bein;
Er muß sich setzen auf den Fels und nickt und schlummert ein.
Er schlummert auf demselben Stein schon manche hundert Jahr,
Das Haupt gesenket auf die Brust, mit grauem Bart und Haar.

Wann Blitze zucken, Donner rollt, wann Sturm erbraust im Wald,
Dann greift er träumend nach dem Schwert, der alte Held Harald.

Vertonungen

 KomponistWerkJahr
Loewe Carlop. 0451835