Liederzyklus

34. Geh, Geliebter, geh jetzt!


Geh, Geliebter, geh jetzt!
Sieh, der Morgen dämmert.
 
Leute gehn schon durch die Gasse,
Und der Markt wird so belebt,
Daß der Morgen wohl, der blasse,
Schon die weißen Flügel hebt.
Und vor unsern Nachbarn bin ich
Bange, daß du Anstoß gibst;
Denn sie wissen nicht, wie innig
Ich dich lieb und du mich liebst.

Drum, Geliebter, geh jetzt,
Sieh, der Morgen dämmert.

Wenn die Sonn am Himmel scheinend
Scheucht vom Feld die Perlen klar,
Muß auch ich die Perle weinend
Lassen, die mein Reichtum war.
Was als Tag den andern funkelt,
Meinen Augen dünkt es Nacht,
Da die Trennung bang mir dunkelt,
Wenn das Morgenrot erwacht.

Geh, Geliebter, geh jetzt!
Sieh, der Morgen dämmert.

Fliehe denn aus meinen Armen!
Denn versäumest du die Zeit,
Möchten für ein kurz Erwarmen
Wir ertauschen langes Leid.
Ist in Fegefeuersqualen
Doch ein Tag schon auszustehn,
Wenn die Hoffnung fern in Strahlen
Läßt des Himmels Glorie sehn.

Drum, Geliebter, geh jetzt!
Sieh, der Morgen dämmert.

Vertonungen

 KomponistWerkJahr
Wolf Hugo1890