Liederzyklus

10. Wunden trägst du mein Geliebter


Wunden trägst du mein Geliebter,
Und sie schmerzen dich;
Trüg' ich sie statt deiner, ich!
Herr, wer wagt' es so zu färben
Deine Stirn mit Blut und Schweiß?
"Diese Male sind der Preis,
Dich, o Seele, zu erwerben.
An den Wunden muß ich sterben,
Weil ich dich geliebt so heiß."
Könnt' ich, Herr, für dich sie tragen,
Da es Todeswunden sind.
"Wenn dies Leid dich rührt, mein Kind,
Magst du Lebenswunden sagen:
Ihrer keine ward geschlagen,
Draus für dich nicht Leben rinnt."
Ach, wie mir in Herz und Sinnen
Deine Qual so wehe thut!
"Härtres noch mit treuem Muth
Trüg' ich froh, dich zu gewinnen;
Denn nur der weiß recht zu minnen,
Der da stirbt vor Liebesgluth."
Wunden trägst du mein Geliebter,
Und sie schmerzen dich;
Trüg' ich sie statt deiner, ich!

Vertonungen

 KomponistWerkJahr
Wolf Hugo1889