Liederzyklus

Der Vatermöder


Ein Vater starb von des Sohnes Hand.
Kein Wolf, kein Tiger, nein,
Der Mensch allein, der Tiere Fürst,
Erfand den Vatermord allein.

Der Täter floh, um dem Gericht
Sein Opfer zu entziehn,
In einen Wald, doch konnt er nicht
Den innern Richter fliehn.

Verzehrt und hager, stumm und bleich,
Mit Lumpen angetan,
Dem Dämon der Verzweiflung gleich,
Traf ihn ein Häscher an.

Voll Grimm zerstörte der Barbar
Ein Nest mit einem Stein
Und mordete die kleine Schar
Der armen Vögelein.

Halt ein! rief ihm der Scherge zu,
Verruchter Bösewicht,
Mit welchem Rechte marterst du
Die frommen Tierchen so?

Was fromm, sprach jener, den die Wut
Kaum hörbar stammeln ließ,
Ich tat es, weil die Höllenbrut
Mich Vatermörder hieß.

Der Mann beschaut ihn, seine Tat
Verrät sein irrer Blick.
Er faßt den Mörder, und das Rad
Bestraft das Bubenstück.

Du, heiliges Gewißen, bist
Der Tugend letzter Freund;
Ein schreckliches Triumphlied ist
Dein Donner ihrem Feind.

Vertonungen

 KomponistWerkJahr
Schubert FranzD 0101811